Geschichte:

Durch die Neubesetzung des Bahnwärterhäuschen in Kiebingen kam Bonifatius Schmidt, ein echter Bayer, ins Lande. Seine Freude an Tracht und Brauchtum und auch seine Heimwehgefühle brachten ihn dazu, Burschen und Mädchen aus Kiebingen zu begeistern  das Schuhplatteln zu erlernen und die heimatliche Kultur zu pflegen.

So schlossen sich Anfang 1936 folgende Männer und Frauen zu einem "Schuhplattlerclub" zusammen:
Bachmann Karl, Bäuerle Peter, Baur Maria, Geiger Franz, Held Hans, Herz Ella, Hönle Heinrich, Hönle Karl, Humbold Josef, Klink Alfons, Klink Anna, Klink Paula, Langheinz Emil, Opp Josef, Raidt Hermann, Raidt Sophie, Schmidt Bonifatius, Schmidt Erna, Schmidt Gretel, Weiß Alfred, Wittel Johanna,

Grundsatz dieses Clubs war: "Sitt und Tracht der Alten, wollen wir erhalten". Diese Trachtenkameraden und Trachtenkameradinnen trafen sich jeden Samstagabend im Dreikönig zur Probe, um dort verschiedene Plattler und auch den Bandeltanz zu erlernen. Die hervorragende Kameradschaft und Geselligkeit brachte mit, dass  Aktivitäten und Ausflüge organisiert wurden, bei denen viele zum ersten Mal das Neckartal u.a. in Richtung Bayern und Görlitz verließen.

Der heutige Trachtenverein "Neckartaler" Kiebingen trat am 01. Mai 1936 beim Festzug in Kiebingen das erste mal als "Schuhplattlerclub" an die Öffentlichkeit. Die Frauen trugen das Miesbacher Dirndl, das heißt: ein geschnürtes Mieder, Rock, Schürze, Schultertuch und auf dem Kopf den Miesbacher Trachtenhut. Die Männer trugen kurze Lederhosen, Weste, weißes Hemd und einen Hut, der mit einer Adlerfeder geschmückt war.

Der Verein gedieh von Jahr zu Jahr und hatte schon ein beachtliches Ansehen erreicht als der Zweite Weltkrieg jäh das Vereinsleben unterbrach. Bereits alle Trachtler wurden zur Wehrmacht einberufen und mussten die Tracht mit der Uniform tauschen. Leider hat dieser schreckliche Krieg auch in unseren Reihen große Lücken gerissen.

Den Grundstock für den Wiederbeginn im  Herbst 1950 legten:  Bonifatius und Gretel Schmidt, Karl und Frida Bachmann, Karl und Emma Hönle, Emil und Irma Langheinz, Alfons und Elsa Wellhäusser, Paula Klink, Hildegard Raidt, Hermann Fuhrer, Alois Groß und Trudel Wellhäusser.
Als Vereinsmusiker agierte Peter Raidt .

Am 12.10.1952 trat der Kiebinger Trachtenverein dem Südwestdeutschen Gauverband der Heimat- und Trachtenvereine e.V. mit Sitz in Stuttgart bei. Die Teilnahme bei den vom Gauverband veranstalteten Gauwettbewerben waren und sind für die Kiebinger Trachtler immer große Erfolge. Dies zeigen die vielen Sieger-Pokale und Ehrenpreise in den Vitrinen den Trachtenheims.

Ab 1950 erlernte man neben den bisher bekannten Schuhplattlern  nun auch die schwäbischen Volkstänze. Dies brachte mit, dass man sich an die Trachten der Kiebinger Urgroßmütter und Urgroßväter erinnerte. Die in Kiebinger Familien noch vorhandenen Trachten und Trachtenteile wurden ausgeliehen und von den Vereinsmitgliedern bei Festzügen stolz präsentiert. Zu diesen Festzügen fuhr man mit einem geliehenen Lastwagen bei dem die Trachtler auf der Ladefläche des LKW auf Bänken befördert wurden.
Am 28. Juni 1953 wurde die nach den alten Vorbildern entstandene Neckartaler Volkstracht der Öffentlichkeit vorgeführt. Zwei Paare zeigten beim Festumzug aus Anlass des 100- jährigen Jubiläums des Liederkranzes Kiebingen die neu angefertigten Frauen- und Männer-Volkstrachten. Ende 1953 bestand der Trachtenverein aus 50 Mitgliedern.

Ein außerordentlicher Erfolg war vom 24. - 26.07.1954 das erste Trachtenfest im Kreis Tübingen, das von den "Neckartalern" Kiebingen veranstaltet wurde. Viele Vereine aus der nahen und weiteren Umgebung fanden sich in Kiebingen ein, um dieses Trachtenfest gemeinsam zu feiern. Seitdem haben die Kiebinger Trachtler weit über die Heimatgrenze hinaus mit ihren Trachten und den hervorragenden dargebotenen Tänzen Verständnis, Anerkennung, Bewunderung und große Begeisterung errungen.

Ebenfalls im Jahre 1954 entschloss sich der Ausschuss mit dem Leitwort "Liebet die Heimat, ehret die Tracht" sich auch der Kiebinger Volkstracht zuzuwenden. Man wollte als Schwabe nicht nur ein Bayerverein sein sondern die eigene Kiebinger Tracht tragen und erhalten. In den weiteren Jahren bestand der Verein aus zwei Tanzgruppen: Schuhplatter und Volkstänzer. Ab 1964 entschied man sich nur noch die Kiebinger Volkstracht zu tragen. Dass in der schon schnelllebigen Zeit das Brauchtum der Ahnen noch tief verwurzelt ist, demonstrierten 1964 beim Trachtenfest in Kiebingen viele hundert Trachtenträger. Im Mittelpunkt der Festlichkeiten stand die Weihe der neuen Fahne, die von den Franziskanerinnen des Kloster Sießen in mühevoller Handarbeit hergestellt wurde. Dieser Festakt wurde in der neuen Kiebinger Kirche zu einem eindrucksvollen Erlebnis. Patenschaft für die "Neckartaler" übernahm der Trachtenverein Odenwälder Heimatbühne aus Schönau bei Heidelberg, mit dem heute noch kameradschaftliche und freundschaftliche Verbindungen gepflegt werden.

Im Jahre 1968 gelang es unter der Anregung der Kiebinger "Neckartaler" ein Zusammenschluss mehrer Trachtenvereine zu einer 5-er Gemeinschaft. Sinn und Zweck der aus den Trachtenvereinen Empfingen, Felldorf, Hirrlingen, Dettingen (Horb) und Kiebingen bestehenden Gemeinschaft ist die gegenseitige Unterstützung , um das Brauchtum und die heimatliche Tracht zu fördern und zu beleben.

Die Festlichkeiten zum 40-jährigem Bestehen im Jahre 1976 und zum 50-jährigen Bestehen im Jahre 1986 wurden zu einem Höhepunkt in der Vereinsgeschichte. Diese Feierlichkeiten bringen immer eine Vielfalt an bunten Trachten und freudigen Trachtenträgern in unsere Gemeinde.

Die Schönheit der Kiebinger Tracht und das gekonnte Auftreten der aktiven Tanzgruppe erbrachten immer mehr Auftritte bei Festlichkeiten in der näheren und weitern Umgebung. Die Kiebinger Trachtler wurden gern zu Repräsentationen bei Empfängen eingeladen. Neben den üblichen Auftritten bei Festen und Veranstaltungen gibt und gab es immer wieder besondere Ereignisse für die Trachtler:
 - Feier zum 25-jährigen und zum 50-jährigen Bestehen von Baden-Württemberg
 - Teilnahme bei der 500-Jahrfeier der Universität Tübingen
 - Fernsehaufnahmen in Maulbronn für das Sonntagskonzert im ZDF
 - Reise nach Polen, Weißrussland und Litauen
 - Teilnahme an den Feierlichkeiten anlässlich der Partnerschaft mit Lion sur Mer
 - Fernsehaufnahmen für eine Biographie über Josef Eberle alias Sebastian Blau in Rottenburg
-  Fernsehaufnahmen mit dem Theater Lindenhof aus Melchingen im Schwärzloch in Tübingen

Das alte Brauchtum zu erhalten heißt auch das Brauchtum zu bewahren und somit auch aufzubewahren. Aus diesem Grund suchte die Vereinsführung nach einer Lösung, um Utensilien und Gerätschaften sachgerecht zu lagern. Ebenso waren auch die bisherigen Proberäume: Waschhäusle, Turnraum des Sportvereins im Rathaus und Vorraum der Schule zu klein, bzw. die Vereinslokale (Dreikönig und Kreuz) geschlossen, so dass ein Gemeinschaftsraum erforderlich wurde. Am 04.03.1983 war der Spatenstich für die Ausbauarbeiten im Untergeschoss des alten Schulgebäudes. Diese wohl schwersten Arbeiten, es waren ca. 130 m³ Letten- und Mergelboden in Handarbeit auszugraben, erforderten sehr viel Schweiß und Arbeitswille. Nach über 3000 freiwilligen Arbeitsstunden konnten nach einer gelungenen Einweihungsfeier am 30.12.1983 für alle Helfer und Spender die Räume ihrer Bestimmung übergeben werden. Bis heute ist das Trachtenheim der Ort an dem die Kameradschaft und die Vereinsgemeinschaft gerne gepflegt werden (z.B.. Generalversammlungen, Ausschusssitzungen, Vortänzerproben, Kappenabend, Sommerfest des Vereins, Lehrgänge, usw.).

Ende der 70 er Jahre übernahm der Trachtenverein die Gestaltung des Erntedankaltares und des Erntedankgottesdienstes. Mit dem Bau der Sülchgauhalle entwickelte sich der Gedanke, ein Erntedankfest zu feiern, das 1983 zum ersten Mal stattfand. Mit befreundeten Vereinen und den eigenen Tanzgruppen wird ein attraktives Programm dem Publikum dargeboten.

Vorstände seit der Gründung des Trachtenvereines im Jahre 1936 bis heute:
       1936 - 1951  Bonifatius Schmidt
       1951 - 1956  Erwin Hahn
       1956 - 1963  Alois Groß
       1963 - 1978  Emil Langheinz
       1978 - 1988  Nikolaus Haas
       1988 - 2005  Oswald Bachmann
       2005 - 2014  Silja Kehrer und Rolf Bachmann
       2014 - heute  Ulrike Edelmann und Rolf Bachmann

Vorplattler und Vortänzer seit der Gründung des Trachtenvereines bis heute:
       1936 - 1953  Bonifatius Schmidt (Vorplattler)
       1953 - 1961  Alois Groß (Vorplattler + Vortänzer)
       1961 - 1986  Alois Groß (Vortänzer)
       1986 - 2010  Rolf Bachmann (Vortänzer)
       2010 - heute  Manfred Maier (Vortänzer)

Ehrenvorstand: Nikolaus Haas

Ehrenvortänzer: Alois Groß

Ehrenmitglieder im Jahre 2019:
       Bachmann Oswald
       Funk Margret
       Geiger Bruno
       Groß Maria
       Haas Hermine
       Koch Adelheid
       Koch Erich
       Kohlstetter Gerold
       Langheinz Adelgunde
       Langheinz Günther